Planungsverfahren im Überblick

In der Unternehmensplanung gibt es drei grundlegende Verfahren, wie Planungsprozesse organisiert werden: Top-Down, Bottom-Up und das Gegenstromverfahren. Sie unterscheiden sich darin, wo der Planungsprozess beginnt und wie Entscheidungen zwischen den Hierarchieebenen fließen.

Top-Down-Planung (Retrograde Planung)

planungsverfahren_top_down_pyramide

Definition: Das Top-Management erstellt eine ganzheitliche Gesamtplanung (hoher Abstraktionsgrad) und gibt sie an untergeordnete Stellen weiter, wo sie in Teilpläne konkretisiert wird. = "von oben nach unten" = vom Allgemeinen zum Detail = vom Vorstand an die Mitarbeiter.

Der Auftraggeber (GL) legt Inhalte, Budgets und Termine als Rahmen fest, ohne Details auszuarbeiten. Typisch für Organisationsentwicklungsprojekte.

Vorteile:

  • Alle Teilpläne werden auf das Gesamtziel ausgerichtet
  • Einzelpläne stehen nicht in Konkurrenz zueinander
  • Pläne können aufgrund der Führungshierarchie einfach durchgesetzt werden

Nachteile:

  • Vorgegebene Planungen "von oben" können eventuell gar nicht erfüllt werden
  • Motivation der Mitarbeiter kann sinken (kein Mitspracherecht)

Beispiel: AG gibt Umsatzsteigerung von 15 % vor; alle Abteilungen (Vertrieb, Marketing, Produktion, Einkauf, Personal) planen dazu passende Maßnahmen.

Bottom-Up-Planung (Progressive Planung)

planungsverfahren_bottom_up_pyramide

Definition: Einzelne Teilbereiche erarbeiten in Eigenverantwortung Detailpläne, die im Zuge der Gesamtplanung koordiniert und verknüpft werden. = Operative Planung / Progressive Planung. Planungsbeginn auf den untersten Ebenen.

Grundidee: Operative Bereiche verfügen über mehr Wissen und Erfahrung in ihrem Bereich und können deshalb realistischere und detailliertere Pläne erstellen. Gegensatz = Top-Down-Planung, bei der die einzelnen Teilbereiche die Planung von übergeordneten Stellen vorgesetzt bekommen.

Vorteile:

  • Steigerung der Mitarbeitermotivation (nicht "von oben" verplant)
  • Operative Bereiche am besten über ihren jeweiligen Bereich informiert
  • Bessere Umsetzung, da Mitarbeiter von Anfang an über alle Pläne informiert sind

Nachteile:

  • Widersprüche zwischen einzelnen Bereichsplänen können entstehen
  • Hoher Koordinationsaufwand erforderlich
  • Nicht alle Teilpläne zwingend auf das Gesamtziel ausgerichtet

Beispiel: GL möchte Personalkosten planen; jede Abteilung erstellt eigenverantwortlich eine Personalbedarfsplanung für das nächste Geschäftsjahr, aus der Summe ergibt sich der Gesamtbedarf.

Gegenstromverfahren (Kombination)

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Definition: Die Rahmenplanung der Unternehmensleitung wird durch die unteren Planungsebenen auf Machbarkeit geprüft und gegebenenfalls korrigiert. Der realisierbare Plan wird zurückgegeben. = Kombination aus Top-Down und Bottom-Up; stellt Wechselwirkungen zwischen Top-Management und operativen Ebenen in den Vordergrund.

Planungsprozess (4 Schritte):

  1. GL gibt Ziele und Strategien vor
  2. Untergeordnete Stellen konkretisieren, prüfen Umsetzbarkeit, erarbeiten Maßnahmen
  3. Korrekturen/Änderungswünsche bei Nicht-Realisierbarkeit nach oben zurückgeben
  4. Übergeordnete Stellen passen Planungen entsprechend an

Vorteile:

  • Kombiniert Vorteile aus Bottom-Up- und Top-Down-Planung
  • Strategische Zielausrichtung bleibt erhalten
  • Realistisch umsetzbare Pläne entstehen (operative Stellen "näher am Geschäft")
  • Akzeptanz der Pläne bei den ausführenden Mitarbeitern wird gefördert

Nachteile:

  • Hoher Koordinationsaufwand
  • Kann langwierig werden
  • Änderungen der untergeordneten Stellen müssen von übergeordneten Stellen akzeptiert werden

Beispiel: GL gibt 10 % Gewinnsteigerung vor; Abteilungen melden zurück, dass maximal 5 % machbar sind; GL korrigiert das Ziel auf 5 %.

Vergleichstabelle

MerkmalTop-DownBottom-UpGegenstrom
Auch bekannt alsRetrograde PlanungProgressive PlanungKombination
PlanungsbeginnUnternehmensleitungOperative EbeneGL → unten → GL
Richtungoben → untenunten → obenbidirektional (iterativ)
Gesamtziel-Ausrichtungstarkschwachstark
Mitarbeitermotivationgeringhochmittel–hoch
Koordinationsaufwandgeringhochsehr hoch
Planungsrealismusggf. unrealistischdetailreich, realistischsehr realistisch

Siehe auch: Unternehmensplanung, Controlling, Managementaufgaben

#anki-karteikarten

Was unterscheidet Top-Down von Bottom-Up-Planung? :: Top-Down (Retrograde Planung): GL gibt Gesamtplan vor → nach unten konkretisiert. Bottom-Up (Progressive Planung): Teilbereiche erarbeiten eigenverantwortlich Detailpläne → nach oben koordiniert. Grundidee Bottom-Up: operative Bereiche haben mehr Fachwissen #konzept #weight-3 #exam-critical #wiso

Wie läuft das Gegenstromverfahren in 4 Schritten ab? :: 1. GL gibt Ziele/Strategien vor → 2. Untergeordnete Stellen konkretisieren, prüfen Machbarkeit, erarbeiten Maßnahmen → 3. Korrekturen zurückgeben → 4. GL passt Planung an #konzept #weight-3 #exam-critical #wiso

Die Personalabteilung erstellt eigenverantwortlich einen Personalbedarfsplan, der dann abteilungsübergreifend koordiniert wird. Welches Planungsverfahren? :: Bottom-Up-Planung (Progressive Planung) – Planung beginnt auf operativer Ebene, Teilbereiche arbeiten eigenverantwortlich Detailpläne aus, die zur Gesamtplanung koordiniert werden #szenario #weight-3 #wiso

Nenne je 2 Vorteile von Top-Down und Bottom-Up :: Top-Down: alle Teilpläne auf Gesamtziel ausgerichtet; einfache Durchsetzung dank Führungshierarchie. Bottom-Up: höhere Mitarbeitermotivation; operative Bereiche am besten informiert #konzept #weight-2 #wiso

Pfad: WISO/Management/Planungsverfahren_Top_Down_Bottom_Up_Gegenstrom.md Tags: wiso, management, planung, top-down, bottom-up, gegenstromverfahren, ihk Relevanz: WISO – IHK EXAM

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